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DIE GESCHICHTE VON HAPPY
Liebe Freunde und Förderer von ABIS, Neuigkeiten über die 17. Azawakh-Expedition sind den Rückkehrern von dieser Reise schon aus Afrika vorangeeilt. Nicht ganz ohne Grund, handelte es sich doch um eine besondere Unternehmung. Sie hat eine längere Vorgeschichte. Unsere Beobachtungen der letzten Jahre hatten gezeigt, daß die Situation der Azawakhs in ihrer Herkunftsregion nicht zu optimistisch eingeschätzt werden darf – die zahlenmäßig abnehmenden Statistiken waren zwar auch den vorangegangenen schlechten Regenperioden und Ernteerträgen geschuldet, haben aber gewiß auch mit der unaufhaltbaren Bedrohung der nomadischen Herdenwirt- schaft zu tun. Bei den Züchtern und Liebhabern in Europa und Übersee ist mittlerweile die Einsicht vorangekommen, daß die Zukunft der Rasse von weiteren Importen aus dem Ursprungsgebiet abhängig sein wird. Die Abkehr vom europäisch hochgezüchteten Hyper-Typ zugunsten der Erhaltung autochthoner Hunderassen gehört bereits zum Mainstream der neueren Kynologie. Dies sind erfreuliche Entwicklungen, die den Zielvorstellungen von ABIS entgegenkommen. Ein erhebliches Hindernis ergab sich dagegen durch die 2004 erlassenen Richtlinien der Europäischen Union; sie sollen nach einer Reihe von Tollwutfällen das unkontrollierte Mitbringen von „Mitleidshunden“ - vor allem aus den touristischen Anrainerstaaten des Mittelmeers - seuchenpolizeilich unterbinden. Die von bürokratischem Regelungsdrang gekennzeichnete Brüsseler Verordnung erfordert unter anderem eine mehrmonatige, veterinärmedizinisch überwachte Wartezeit des Importhundes im Ausland - Voraussetzungen, die unter den im afrikanischen Sahel gegebenen Verhältnissen nicht zu erfüllen sind. 2006 mußten wir zwei vielversprechende Welpen aus Mali, die sich mittlerweile zu prächtigen Azawakhrüden ausgewachsen haben, im Besitz von Ayad ag Inachanan und Mahaman Yaou in Afrika lassen. Wir haben deshalb in enger Zusammenarbeit mit David Moore, unserem ABIS-Delegue in Amerika, Ersatzmöglichkeiten für den legalen Import von Azawakhwelpen aus der Ursprungsregion erkundet. Als günstigste Zwischenstation für die Einfuhr in die EU erwiesen sich dabei die Vereinigten Staaten, die (wie vordem auch in Europa üblich) amtstierärztliche Impf- und Gesundheitszeugnisse zur Voraussetzung machen und eine Hausquarantäne für Welpen unter dem impffähigen Alter vorsehen. David und Aaron waren bereit, auf ihrer Farm in Georgia für später nach Europa weiterreisende Hunde zu sorgen und sich um die Einholung der von der EU dafür geforderten Dokumente zu kümmern. Die Abklärung aller Einzelheiten mit den amerikanischen Veterinär- und Zollbehörden war Teil der langen Vorbereitung, gleiches galt für die Transportvorschriften bei den interkontinentalen Flugverbindungen samt den zu erwartenden Kosten und die Versorgung beim exterritorialen Zwischenaufenthalt in Paris durch den Tierbetreuungsdienst des dortigen Flughafens. Entsprechende Arrangements wurden vorab telefonisch und per E-Mail auch mit den zuständigen Leuten des Airports in Niamey/Niger vereinbart. Mit unserem Tuareg-Freund Mahaman und seiner Offroad-Agentur war ein geeigneter Zeitraum abzusprechen; wir legten Wert darauf, daß wieder die bewährte Mannschaft mit Fahrer, Mechaniker und Koch dabei sein würde, die schon bei früheren Fahrten die besonderen Ansprüche einer ABIS-Expedition verinnerlicht hatte. Insgesamt also ein hoher logistischer Aufwand, da im Interesse der erhofften Adoptiv-Azis zumindest organisatorisch nichts dem Zufall überlassen bleiben sollte – wobei uns nach den Erfahrungen mit der Wurffrequenz der letzten Jahre eine Gesamtzahl von mehr als fünf oder sechs Welpen mit entsprechender Qualität, dem erwünschten Geschlecht und dem geeigneten Alter als kaum wahrscheinlich erschienen ist. Hier sollten uns Überraschungen bevorstehen. Überraschend war auch die Reaktion von Azawakhfreunden auf die per Website (www.azawakhfriends.com) im Sommer 2006 verbreitete Einladung, sich um eine Teilnahme an dieser speziellen Expedition zu bewerben. Aus sieben Ländern haben sich weit mehr Interessenten gemeldet, als drei Geländefahrzeuge hätten fassen können. Zum Trost blieb den übrigen die Möglichkeit, bei persönlich befreundeten Expeditionsteilnehmern einen Wunschazawakh - natürlich nur Insh’Allah! - in Auftrag zu geben. Mitte Januar haben sich schließlich acht Azawakhleute auf den Weg nach Afrika machen können: David Moore (Idiiyat-es-Sahel) und Marya Morales aus den USA, Corine Lundqvist (Garde d’Epee) aus Frankreich, Alberto Rossi (Tigidit ) und Claudia Gemmato aus Italien, Christiane Thier-Rostaing (Agg Amaias), Gerhard Hanss und Werner Röder (of Silverdale) aus Deutschland. David und Marya sind eine Woche im Voraus in den Niger geflogen, um ein welpengeeigne- tes Basislager außerhalb von Niamey für die Zeit zwischen unserer Rückkehr aus dem Busch und der Reise über den Großen Teich zu finden. Dies mit großem Erfolg: Das weitläufig umfriedete Wochenendgrundstück von Mahaman und seiner französischen Ehefrau direkt am Niger samt Seerosenufer und planschenden Flußpferden erwies sich später als idealer Platz für unsere Zelte und die lebhaften Umtriebe einer Schar junger Idis, mit denen wir in einem downtown-Hotel natürlich kein Unterkommen gefunden hätten. Am 17. Januar ist der ABIS-Konvoi, u.a. beladen mit Hilfsgütern für Tin Akoff, in Richtung Ouallam aufgebrochen. Von da an sind wir fast tagtäglich mit neuen „Azawakh-Funden“ konfrontiert gewesen. Schon das erste Nachtlager vor Bani Bangou haben wir mit zwei etwa fünf und sechs Wochen alten Welpen geteilt. Die nächsten Tage galten Besuchen in verstreuten Tuareglagern unter Führung eines einheimischen Guide. Als die Gruppe am 21. Januar den malischen Grenzposten von Anderamboukane erreichte, waren unsere optimistischsten Erwartungen mit dreizehn Welpen an Bord schon weit überschritten. Der aktuelle Stand der Azawakhpopulation entlang unserer Route ist in dem anschließenden Beobachtungsprotokoll beschrieben. Manche Zahlenwerte mögen ihren Grund auch in einem günstigen Zusammentreffen mit Nomaden in gerade bevorzugten Weidegebieten haben. Ausschlaggebend für die außergewöhnliche Nachwuchssituation dürfte jedoch die bedarfsgesteuerte Wiederherstellung des Hundebestands nach mehreren wirtschaftlichen Krisenjahren unter dem Vorzeichen einer derzeit ausreichenden Versorgungslage sein. Die Expedition ist am 28. Januar in Tin Akoff angelangt und hat dort und bei Exkursionen im Beligebiet die Umschau nach geeignetem Nachwuchs fortgesetzt. Bei ihrer Rückfahrt nach Niamey über Dori und Tera hatte sie die stolze Zahl von zwanzig Idis an Bord. Die gewohnte Prozedur mit Impfbestätigungen und Gesundheitszeugnissen mußte diesmal mit Blick auf die spätere EU-Einfuhr einzelner Hunde durch Tätowierung und Exportgenehmigungen der afrikanischen Transitstaaten ergänzt werden. Bis zu ihrem Abflug haben David und Marya mit der Hilfe Mahamans und seiner Leute alle Hände voll zu tun gehabt. Am 7. Februar sind die Azis in Begleitung von David und Marya gesund und wohlbehalten mit Air France in Atlanta gelandet. Die elf „Europäer“ unter ihnen erfreuen nach Ablauf der Wartezeiten mittlerweile ihre Besitzer in Italien (5), Frankreich (3) und Deutschland (3). Ich hoffe, daß eine gute Zahl der 9 Rüden und 11 Hündinnen Eingang in die Azawakhzucht finden und einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Rasse in Europa und Übersee leisten wird. Unsere geduldige Arbeit zugunsten eines genetischen Fundaments außerhalb Afrikas kann aber auch mit dieser erfolgreichen Unternehmung nicht abgeschlossen sein. Ein Kameramann war diesmal leider nicht mit von der Partie. Es gibt aber prächtige Foto-CDs von Corine Lundvist, Christiane Thier-Rostaing und Gerhard Hanss. Ein Teil der Bilder erscheint in Serie auf David Moores Website www.azawakh.com. Weitere Berichte und Bewertungen seitens unserer Expeditionsteilnehmer in ihren jeweiligen Landessprachen sind zu erwarten. Das nachfolgend wiedergegebene Beobachtungsprotokoll enthält vorerst nur die Erhebungsdaten für Niger und Mali. Die um Burkina Faso erweiterten Statistiken werden im Jahresbericht 2006/2007 abgedruckt; Veränderungen bei den allgemeinen Ergebnissen und ihrer Interpretation sind dabei aber nicht zu erwarten. ******
Beobachtungsprotokoll der 17. Azawakh-Expedition 2007 Aufgezeichnet von Dr. Werner Röder und Corine Lundqvist - Statistik und Graphiken von Elisabeth NaumannDie 17. ABIS – Expedition mit 8 Teilnehmern aus den USA, Frankreich, Italien und Deutschland führte zwischen dem 17. und 30. Januar 2007 ab Niamey (Niger) durch die Region um Ouallam und Bani Bangou nach Anderamboukane (Mali), durch Landstriche des Wadi Assouagh bis Menaka , bei Ansongo über den Niger in Richtung Tin Akoff (Burkina Faso) und via Dori und Tera (Niger) zurück nach Niamey.
Die hier gezeigte prozentuale Verteilung der Ethnien steht nur bedingt im Zusammenhang mit ihrer überwiegenden oder dauernden Präsenz in bestimmten Teilen der Region, da letztere ja nicht flächendeckend erkundet werden konnte und, zum zweiten, die Mobilität der nomadischen Hirten hoch ist; sie sind je nach Jahreszeit sowie lokalen Weide- und Wasserangeboten in wechselnden Wanderungsgebieten – unabhängig von den Staatsgrenzen – anzutreffen. Dies wird auch im Vergleich mit den differierenden Zählungen bei den Expeditionen von 2006 und 2003 deutlich, die zum Teil durch die gleichen Großregionen wie diesmal führten: Tuareg 46 bzw. 30 Prozent; Peul 9 bzw.17 Prozent. Die jeweilig außergewöhnlich hohen Anteile von dörflichen Haussa (2006 = 29 Prozent) und nomadischen Bella (2003 = 45 Prozent) sind den unterschiedlichen Expeditionswegen (in Niger bzw. Burkina Faso) geschuldet.
Für das immer noch kraftvolle Erneuerungspotential der Azawakhpopulation legt auch die aktuelle Altersstruktur Zeugnis ab. Sie besteht derzeit fast zur Hälfte aus dem Nachwuchs der beiden letzten Generationen (bei einer vermuteten durchschnittlichen Lebenserwartung von 4 bis 5 Jahren), wobei die jüngsten Würfe von unserem Protokoll nicht erfaßt wurden (vgl. oben). Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, daß die Gesamtzahl der jährlich erfaßten Tiere stagniert , d.h. auch unter den zuletzt relativ günstigen natürlichen Bedingungen frühere Höchstwerte (zum Vergleich: 213 Exemplare im Jahr 2000) nicht erreicht. Der Bestand in der Ursprungsregion ist tendenziell bedroht.
Die jährlich zu beobachtenden Verschiebungen bei den einzelnen Prozentwerten dürften neben den
Aufgrund der vom Deutschen Windhundzucht- und Rennverband vor kurzem eingeführten Regelung,
Selbstverständlich unterscheiden sich innerhalb der reinerbigen Landrasse des Ursprungsgebiets die Exemplare durch qualitative Merkmale. Der für die dortigen Züchter und Halter zweifellos ausschlaggebende Gebrauchswert des einzelnen Tieres (so etwa die Funktion als Herdenschutz- und Lagerhund, Sozialverhalten oder jagdliche Eigenschaften) kann unter Expeditionsbedingungen höchstens im Einzelfall verläßlich erfragt werden. Details wie Farbe oder Zeichnung genießen bei den diversen Stämmen der Kel Tamaschek ganz unterschiedliche und oft gegenteilige Wertschätzungen, die sich von den jeweiligen Familienüberlieferungen (und häufig von abergläubischen Rückschlüssen auf den Charakter des Tieres, so bei der Fellfarbe Schwarz) herleiten. Für die Eingruppierung von hochtypisch bis wenig typvoll benutzen die Beobachtungsprotokolle deshalb die der Rasse insgesamt eigene anatomische Erscheinung (Format), wie sie auch im FCI-Standard richtig wiedergegeben ist. Auf diese Weise wird zudem die Möglichkeit eines Vergleichs mit dem außerafrikanischen Bestand in Anlehnung an die hiesigen Bewertungsskala (V / SG / G) hergestellt.
Der Azawakh der Ursprungsregion hat seine ursprüngliche Erscheinung und Natur als Gebrauchshund aller nomadischen Hirtenstämme im Sahel bewahrt. Seine Zuordnung an bestimmte Ethnien, Regionen oder gar an neuzeitliche Staatsgebiete ist sinnlos. Er ist überall dort als reinblütige Landrasse verbreitet, wo traditionelle Herdenwirtschaft auf der Grundlage der Transhumanz existiert. Er besitzt ein unverkennbares anatomisches Format, das ihn von anderen Windhundrassen und -schlägen des Kontinents trotz vermutlicher gemeinsamer Wurzeln unterscheidet. Eigenschaften wie Farbe oder Zeichnung weisen eine große Variationsbreite auf; ihre Wertschätzung durch die Nomaden ist - wie bei anderen dem Azawakh zugeordneten Vorstellungen - regional und sozial unterschiedlich.
Die Rasse Azawakh , der in erster Linie und mit dem Blick auf ihr Fortleben auch außerhalb Afrikas unser Interesse gilt, ist durch historische Anpassung an die Lebensbedingungen in den weiten Savannen und durch seinen Gebrauchswert für die Besitzer von wandernden Schaf- und Ziegenherden in Phänotyp und Wesen definiert. Diese Voraussetzungen erlauben auch die Abgrenzung gegenüber verwandten Windhundschlägen im Süden der Sahara. *********
Unsere Projekte in Tin Akoff Wie in den letzten Jahren hat auch diese Expedition Impfstoffe für den Tollwutschutz in der Region mit Hilfe einer elektrisch betriebenen Auto-Kühlbox unbeanstandet über Niamey einführen können, ebenso ein großes Kontingent gespendeter Medikamente und medizinischen Zubehörs für den Sanitätsposten in Tin Akoff. Hinzu kamen wiederum Decken, Kleidungsstücke und Schuhwerk zur Verteilung unter den besonders Bedürftigen. Neben Lern- und Lehrmaterial erhielt die Grundschule eine von unseren Berliner Freunden gesammelte Geldzuwendung für das Salär der Schulköchin und die Transportkosten der vom Staat in Verteilungszentren bereitgestellten Nahrungsmittel. Für den Beauftragten im Departement, Ayad ag Inachanan, konnte auch diesmal der seit Jahren übliche Betrag von rd. 2 Millionen CFA (ca. 3.000 Euro) aus den Spenden der ABIS-Förderer aufgebracht werden. Das Geld ist zum Einkauf neuer Getreidebestände für das Hirsemagazin bestimmt und deckt Arbeitszeit und Sachausgaben für das Motorrad bei den Impffahrten in der Region ab. Darüber hinaus soll es Aufwendungen für die Pflege des Beligartens (mit Abgabe von Gemüse an die Schulküche) und die Versorgung von Ayads Azawakhfamilie (derzeit an die zwanzig Hunde) ermöglichen. Zu seinem Auftrag gehört die Verteilung von Welpen an gute Plätze unter den Nomaden des Bezirks sowie die Vertretung von „Azawakh-Belangen“ bei der Provinzverwaltung und in der Bevölkerung. Für einige aus der Reisegruppe war ein Teil des dreitägigen Aufenthalts in Tin Akoff mit Projektangelegenheiten und „offiziellen“ Gesprächen belegt. Es gab aber – neben Exkursionen mit Ayad zu Siedlungen seiner Peul-Wara-Wara-Sippe und den dortigen Azawakhs – auch das Wiedersehen mit Ayads Meute, darunter immer noch die Urmutter Taikoussou, die ebenso wie ihre Münchener Schwester Afrika in Würde ihrem schon absehbaren Lebensende entgegenging. Mozart, unser Geschenk aus Mali an Ayad im vergangenen Jahr, hat sich zu einem bildschönen Rüden entwickelt. Elisabeths Patenhündin Caramel war wieder einmal Mutter geworden und kümmerte sich geduldig um die vielen kleinen Expeditions-Idis, die im ummauerten Geviert des ABIS-Campements ihr Unwesen trieben. Die meisten von Ayads Hunden haben die „ alten Afrikaner“ unter den Expeditions- teilnehmern wiedererkannt und freundlich begrüßt. Zum Abschluß unserer Visite konnten wir eine fulminante Vorstellung der besten Tanz- und Musikgruppe des Departements miterleben. Eine ausführliche Darstellung von Stand und Perspektiven der ABIS-Projekte folgt wie immer im Rahmen des nächsten Jahresberichts; bis dahin sollten uns Ayads aktuellste Nachrichten erreicht haben. Zur Agenda wird dann auch gehören, ob und in welcher Weise der von unseren Freunden in Berlin inzwischen eingetragene gemeinnützige Hilfsverein für Tin Akoff als evtl. künftig akkreditierte Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) die Betreuung der bisherigen ABIS-Projekte weiterführen kann. Letzteres würde es mir auch viel leichter machen, die eigene Arbeitskraft der kommenden Jahre – Insh’Allah! - wie geplant auf die Dokumentation der Rasse und ihre Erhaltung außerhalb der bedrohten Ursprungsgebiete zu konzentrieren.
Für heute mit ganz herzlichen Grüßen ********* NB: Für alle, die sich eingehend und verläßlich über Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik und Entwicklungsprobleme Westafrikas informieren wollen, gibt es jetzt einen vorzüglichen Sammelband:
********
Und noch etwas in eigener Sache - die Azawakhs of Silverdale haben eine neue Website:
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DIE GESCHICHTE VON HAPPY
Liebe Freunde und Förderer von ABIS, Neuigkeiten über die 17. Azawakh-Expedition sind den Rückkehrern von dieser Reise schon aus Afrika vorangeeilt. Nicht ganz ohne Grund, handelte es sich doch um eine besondere Unternehmung. Sie hat eine längere Vorgeschichte. Unsere Beobachtungen der letzten Jahre hatten gezeigt, daß die Situation der Azawakhs in ihrer Herkunftsregion nicht zu optimistisch eingeschätzt werden darf – die zahlenmäßig abnehmenden Statistiken waren zwar auch den vorangegangenen schlechten Regenperioden und Ernteerträgen geschuldet, haben aber gewiß auch mit der unaufhaltbaren Bedrohung der nomadischen Herdenwirt- schaft zu tun. Bei den Züchtern und Liebhabern in Europa und Übersee ist mittlerweile die Einsicht vorangekommen, daß die Zukunft der Rasse von weiteren Importen aus dem Ursprungsgebiet abhängig sein wird. Die Abkehr vom europäisch hochgezüchteten Hyper-Typ zugunsten der Erhaltung autochthoner Hunderassen gehört bereits zum Mainstream der neueren Kynologie. Dies sind erfreuliche Entwicklungen, die den Zielvorstellungen von ABIS entgegenkommen. Ein erhebliches Hindernis ergab sich dagegen durch die 2004 erlassenen Richtlinien der Europäischen Union; sie sollen nach einer Reihe von Tollwutfällen das unkontrollierte Mitbringen von „Mitleidshunden“ - vor allem aus den touristischen Anrainerstaaten des Mittelmeers - seuchenpolizeilich unterbinden. Die von bürokratischem Regelungsdrang gekennzeichnete Brüsseler Verordnung erfordert unter anderem eine mehrmonatige, veterinärmedizinisch überwachte Wartezeit des Importhundes im Ausland - Voraussetzungen, die unter den im afrikanischen Sahel gegebenen Verhältnissen nicht zu erfüllen sind. 2006 mußten wir zwei vielversprechende Welpen aus Mali, die sich mittlerweile zu prächtigen Azawakhrüden ausgewachsen haben, im Besitz von Ayad ag Inachanan und Mahaman Yaou in Afrika lassen. Wir haben deshalb in enger Zusammenarbeit mit David Moore, unserem ABIS-Delegue in Amerika, Ersatzmöglichkeiten für den legalen Import von Azawakhwelpen aus der Ursprungsregion erkundet. Als günstigste Zwischenstation für die Einfuhr in die EU erwiesen sich dabei die Vereinigten Staaten, die (wie vordem auch in Europa üblich) amtstierärztliche Impf- und Gesundheitszeugnisse zur Voraussetzung machen und eine Hausquarantäne für Welpen unter dem impffähigen Alter vorsehen. David und Aaron waren bereit, auf ihrer Farm in Georgia für später nach Europa weiterreisende Hunde zu sorgen und sich um die Einholung der von der EU dafür geforderten Dokumente zu kümmern. Die Abklärung aller Einzelheiten mit den amerikanischen Veterinär- und Zollbehörden war Teil der langen Vorbereitung, gleiches galt für die Transportvorschriften bei den interkontinentalen Flugverbindungen samt den zu erwartenden Kosten und die Versorgung beim exterritorialen Zwischenaufenthalt in Paris durch den Tierbetreuungsdienst des dortigen Flughafens. Entsprechende Arrangements wurden vorab telefonisch und per E-Mail auch mit den zuständigen Leuten des Airports in Niamey/Niger vereinbart. Mit unserem Tuareg-Freund Mahaman und seiner Offroad-Agentur war ein geeigneter Zeitraum abzusprechen; wir legten Wert darauf, daß wieder die bewährte Mannschaft mit Fahrer, Mechaniker und Koch dabei sein würde, die schon bei früheren Fahrten die besonderen Ansprüche einer ABIS-Expedition verinnerlicht hatte. Insgesamt also ein hoher logistischer Aufwand, da im Interesse der erhofften Adoptiv-Azis zumindest organisatorisch nichts dem Zufall überlassen bleiben sollte – wobei uns nach den Erfahrungen mit der Wurffrequenz der letzten Jahre eine Gesamtzahl von mehr als fünf oder sechs Welpen mit entsprechender Qualität, dem erwünschten Geschlecht und dem geeigneten Alter als kaum wahrscheinlich erschienen ist. Hier sollten uns Überraschungen bevorstehen. Überraschend war auch die Reaktion von Azawakhfreunden auf die per Website (www.azawakhfriends.com) im Sommer 2006 verbreitete Einladung, sich um eine Teilnahme an dieser speziellen Expedition zu bewerben. Aus sieben Ländern haben sich weit mehr Interessenten gemeldet, als drei Geländefahrzeuge hätten fassen können. Zum Trost blieb den übrigen die Möglichkeit, bei persönlich befreundeten Expeditionsteilnehmern einen Wunschazawakh - natürlich nur Insh’Allah! - in Auftrag zu geben. Mitte Januar haben sich schließlich acht Azawakhleute auf den Weg nach Afrika machen können: David Moore (Idiiyat-es-Sahel) und Marya Morales aus den USA, Corine Lundqvist (Garde d’Epee) aus Frankreich, Alberto Rossi (Tigidit ) und Claudia Gemmato aus Italien, Christiane Thier-Rostaing (Agg Amaias), Gerhard Hanss und Werner Röder (of Silverdale) aus Deutschland. David und Marya sind eine Woche im Voraus in den Niger geflogen, um ein welpengeeigne- tes Basislager außerhalb von Niamey für die Zeit zwischen unserer Rückkehr aus dem Busch und der Reise über den Großen Teich zu finden. Dies mit großem Erfolg: Das weitläufig umfriedete Wochenendgrundstück von Mahaman und seiner französischen Ehefrau direkt am Niger samt Seerosenufer und planschenden Flußpferden erwies sich später als idealer Platz für unsere Zelte und die lebhaften Umtriebe einer Schar junger Idis, mit denen wir in einem downtown-Hotel natürlich kein Unterkommen gefunden hätten. Am 17. Januar ist der ABIS-Konvoi, u.a. beladen mit Hilfsgütern für Tin Akoff, in Richtung Ouallam aufgebrochen. Von da an sind wir fast tagtäglich mit neuen „Azawakh-Funden“ konfrontiert gewesen. Schon das erste Nachtlager vor Bani Bangou haben wir mit zwei etwa fünf und sechs Wochen alten Welpen geteilt. Die nächsten Tage galten Besuchen in verstreuten Tuareglagern unter Führung eines einheimischen Guide. Als die Gruppe am 21. Januar den malischen Grenzposten von Anderamboukane erreichte, waren unsere optimistischsten Erwartungen mit dreizehn Welpen an Bord schon weit überschritten. Der aktuelle Stand der Azawakhpopulation entlang unserer Route ist in dem anschließenden Beobachtungsprotokoll beschrieben. Manche Zahlenwerte mögen ihren Grund auch in einem günstigen Zusammentreffen mit Nomaden in gerade bevorzugten Weidegebieten haben. Ausschlaggebend für die außergewöhnliche Nachwuchssituation dürfte jedoch die bedarfsgesteuerte Wiederherstellung des Hundebestands nach mehreren wirtschaftlichen Krisenjahren unter dem Vorzeichen einer derzeit ausreichenden Versorgungslage sein. Die Expedition ist am 28. Januar in Tin Akoff angelangt und hat dort und bei Exkursionen im Beligebiet die Umschau nach geeignetem Nachwuchs fortgesetzt. Bei ihrer Rückfahrt nach Niamey über Dori und Tera hatte sie die stolze Zahl von zwanzig Idis an Bord. Die gewohnte Prozedur mit Impfbestätigungen und Gesundheitszeugnissen mußte diesmal mit Blick auf die spätere EU-Einfuhr einzelner Hunde durch Tätowierung und Exportgenehmigungen der afrikanischen Transitstaaten ergänzt werden. Bis zu ihrem Abflug haben David und Marya mit der Hilfe Mahamans und seiner Leute alle Hände voll zu tun gehabt. Am 7. Februar sind die Azis in Begleitung von David und Marya gesund und wohlbehalten mit Air France in Atlanta gelandet. Die elf „Europäer“ unter ihnen erfreuen nach Ablauf der Wartezeiten mittlerweile ihre Besitzer in Italien (5), Frankreich (3) und Deutschland (3). Ich hoffe, daß eine gute Zahl der 9 Rüden und 11 Hündinnen Eingang in die Azawakhzucht finden und einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Rasse in Europa und Übersee leisten wird. Unsere geduldige Arbeit zugunsten eines genetischen Fundaments außerhalb Afrikas kann aber auch mit dieser erfolgreichen Unternehmung nicht abgeschlossen sein. Ein Kameramann war diesmal leider nicht mit von der Partie. Es gibt aber prächtige Foto-CDs von Corine Lundvist, Christiane Thier-Rostaing und Gerhard Hanss. Ein Teil der Bilder erscheint in Serie auf David Moores Website www.azawakh.com. Weitere Berichte und Bewertungen seitens unserer Expeditionsteilnehmer in ihren jeweiligen Landessprachen sind zu erwarten. Das nachfolgend wiedergegebene Beobachtungsprotokoll enthält vorerst nur die Erhebungsdaten für Niger und Mali. Die um Burkina Faso erweiterten Statistiken werden im Jahresbericht 2006/2007 abgedruckt; Veränderungen bei den allgemeinen Ergebnissen und ihrer Interpretation sind dabei aber nicht zu erwarten. ******
Beobachtungsprotokoll der 17. Azawakh-Expedition 2007 Aufgezeichnet von Dr. Werner Röder und Corine Lundqvist - Statistik und Graphiken von Elisabeth NaumannDie 17. ABIS – Expedition mit 8 Teilnehmern aus den USA, Frankreich, Italien und Deutschland führte zwischen dem 17. und 30. Januar 2007 ab Niamey (Niger) durch die Region um Ouallam und Bani Bangou nach Anderamboukane (Mali), durch Landstriche des Wadi Assouagh bis Menaka , bei Ansongo über den Niger in Richtung Tin Akoff (Burkina Faso) und via Dori und Tera (Niger) zurück nach Niamey.
Die hier gezeigte prozentuale Verteilung der Ethnien steht nur bedingt im Zusammenhang mit ihrer überwiegenden oder dauernden Präsenz in bestimmten Teilen der Region, da letztere ja nicht flächendeckend erkundet werden konnte und, zum zweiten, die Mobilität der nomadischen Hirten hoch ist; sie sind je nach Jahreszeit sowie lokalen Weide- und Wasserangeboten in wechselnden Wanderungsgebieten – unabhängig von den Staatsgrenzen – anzutreffen. Dies wird auch im Vergleich mit den differierenden Zählungen bei den Expeditionen von 2006 und 2003 deutlich, die zum Teil durch die gleichen Großregionen wie diesmal führten: Tuareg 46 bzw. 30 Prozent; Peul 9 bzw.17 Prozent. Die jeweilig außergewöhnlich hohen Anteile von dörflichen Haussa (2006 = 29 Prozent) und nomadischen Bella (2003 = 45 Prozent) sind den unterschiedlichen Expeditionswegen (in Niger bzw. Burkina Faso) geschuldet.
Für das immer noch kraftvolle Erneuerungspotential der Azawakhpopulation legt auch die aktuelle Altersstruktur Zeugnis ab. Sie besteht derzeit fast zur Hälfte aus dem Nachwuchs der beiden letzten Generationen (bei einer vermuteten durchschnittlichen Lebenserwartung von 4 bis 5 Jahren), wobei die jüngsten Würfe von unserem Protokoll nicht erfaßt wurden (vgl. oben). Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, daß die Gesamtzahl der jährlich erfaßten Tiere stagniert , d.h. auch unter den zuletzt relativ günstigen natürlichen Bedingungen frühere Höchstwerte (zum Vergleich: 213 Exemplare im Jahr 2000) nicht erreicht. Der Bestand in der Ursprungsregion ist tendenziell bedroht.
Die jährlich zu beobachtenden Verschiebungen bei den einzelnen Prozentwerten dürften neben den
Aufgrund der vom Deutschen Windhundzucht- und Rennverband vor kurzem eingeführten Regelung,
Selbstverständlich unterscheiden sich innerhalb der reinerbigen Landrasse des Ursprungsgebiets die Exemplare durch qualitative Merkmale. Der für die dortigen Züchter und Halter zweifellos ausschlaggebende Gebrauchswert des einzelnen Tieres (so etwa die Funktion als Herdenschutz- und Lagerhund, Sozialverhalten oder jagdliche Eigenschaften) kann unter Expeditionsbedingungen höchstens im Einzelfall verläßlich erfragt werden. Details wie Farbe oder Zeichnung genießen bei den diversen Stämmen der Kel Tamaschek ganz unterschiedliche und oft gegenteilige Wertschätzungen, die sich von den jeweiligen Familienüberlieferungen (und häufig von abergläubischen Rückschlüssen auf den Charakter des Tieres, so bei der Fellfarbe Schwarz) herleiten. Für die Eingruppierung von hochtypisch bis wenig typvoll benutzen die Beobachtungsprotokolle deshalb die der Rasse insgesamt eigene anatomische Erscheinung (Format), wie sie auch im FCI-Standard richtig wiedergegeben ist. Auf diese Weise wird zudem die Möglichkeit eines Vergleichs mit dem außerafrikanischen Bestand in Anlehnung an die hiesigen Bewertungsskala (V / SG / G) hergestellt.
Der Azawakh der Ursprungsregion hat seine ursprüngliche Erscheinung und Natur als Gebrauchshund aller nomadischen Hirtenstämme im Sahel bewahrt. Seine Zuordnung an bestimmte Ethnien, Regionen oder gar an neuzeitliche Staatsgebiete ist sinnlos. Er ist überall dort als reinblütige Landrasse verbreitet, wo traditionelle Herdenwirtschaft auf der Grundlage der Transhumanz existiert. Er besitzt ein unverkennbares anatomisches Format, das ihn von anderen Windhundrassen und -schlägen des Kontinents trotz vermutlicher gemeinsamer Wurzeln unterscheidet. Eigenschaften wie Farbe oder Zeichnung weisen eine große Variationsbreite auf; ihre Wertschätzung durch die Nomaden ist - wie bei anderen dem Azawakh zugeordneten Vorstellungen - regional und sozial unterschiedlich.
Die Rasse Azawakh , der in erster Linie und mit dem Blick auf ihr Fortleben auch außerhalb Afrikas unser Interesse gilt, ist durch historische Anpassung an die Lebensbedingungen in den weiten Savannen und durch seinen Gebrauchswert für die Besitzer von wandernden Schaf- und Ziegenherden in Phänotyp und Wesen definiert. Diese Voraussetzungen erlauben auch die Abgrenzung gegenüber verwandten Windhundschlägen im Süden der Sahara. *********
Unsere Projekte in Tin Akoff Wie in den letzten Jahren hat auch diese Expedition Impfstoffe für den Tollwutschutz in der Region mit Hilfe einer elektrisch betriebenen Auto-Kühlbox unbeanstandet über Niamey einführen können, ebenso ein großes Kontingent gespendeter Medikamente und medizinischen Zubehörs für den Sanitätsposten in Tin Akoff. Hinzu kamen wiederum Decken, Kleidungsstücke und Schuhwerk zur Verteilung unter den besonders Bedürftigen. Neben Lern- und Lehrmaterial erhielt die Grundschule eine von unseren Berliner Freunden gesammelte Geldzuwendung für das Salär der Schulköchin und die Transportkosten der vom Staat in Verteilungszentren bereitgestellten Nahrungsmittel. Für den Beauftragten im Departement, Ayad ag Inachanan, konnte auch diesmal der seit Jahren übliche Betrag von rd. 2 Millionen CFA (ca. 3.000 Euro) aus den Spenden der ABIS-Förderer aufgebracht werden. Das Geld ist zum Einkauf neuer Getreidebestände für das Hirsemagazin bestimmt und deckt Arbeitszeit und Sachausgaben für das Motorrad bei den Impffahrten in der Region ab. Darüber hinaus soll es Aufwendungen für die Pflege des Beligartens (mit Abgabe von Gemüse an die Schulküche) und die Versorgung von Ayads Azawakhfamilie (derzeit an die zwanzig Hunde) ermöglichen. Zu seinem Auftrag gehört die Verteilung von Welpen an gute Plätze unter den Nomaden des Bezirks sowie die Vertretung von „Azawakh-Belangen“ bei der Provinzverwaltung und in der Bevölkerung. Für einige aus der Reisegruppe war ein Teil des dreitägigen Aufenthalts in Tin Akoff mit Projektangelegenheiten und „offiziellen“ Gesprächen belegt. Es gab aber – neben Exkursionen mit Ayad zu Siedlungen seiner Peul-Wara-Wara-Sippe und den dortigen Azawakhs – auch das Wiedersehen mit Ayads Meute, darunter immer noch die Urmutter Taikoussou, die ebenso wie ihre Münchener Schwester Afrika in Würde ihrem schon absehbaren Lebensende entgegenging. Mozart, unser Geschenk aus Mali an Ayad im vergangenen Jahr, hat sich zu einem bildschönen Rüden entwickelt. Elisabeths Patenhündin Caramel war wieder einmal Mutter geworden und kümmerte sich geduldig um die vielen kleinen Expeditions-Idis, die im ummauerten Geviert des ABIS-Campements ihr Unwesen trieben. Die meisten von Ayads Hunden haben die „ alten Afrikaner“ unter den Expeditions- teilnehmern wiedererkannt und freundlich begrüßt. Zum Abschluß unserer Visite konnten wir eine fulminante Vorstellung der besten Tanz- und Musikgruppe des Departements miterleben. Eine ausführliche Darstellung von Stand und Perspektiven der ABIS-Projekte folgt wie immer im Rahmen des nächsten Jahresberichts; bis dahin sollten uns Ayads aktuellste Nachrichten erreicht haben. Zur Agenda wird dann auch gehören, ob und in welcher Weise der von unseren Freunden in Berlin inzwischen eingetragene gemeinnützige Hilfsverein für Tin Akoff als evtl. künftig akkreditierte Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) die Betreuung der bisherigen ABIS-Projekte weiterführen kann. Letzteres würde es mir auch viel leichter machen, die eigene Arbeitskraft der kommenden Jahre – Insh’Allah! - wie geplant auf die Dokumentation der Rasse und ihre Erhaltung außerhalb der bedrohten Ursprungsgebiete zu konzentrieren.
Für heute mit ganz herzlichen Grüßen ********* NB: Für alle, die sich eingehend und verläßlich über Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik und Entwicklungsprobleme Westafrikas informieren wollen, gibt es jetzt einen vorzüglichen Sammelband:
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NACHRICHTEN AUS AFRIKALiebe Mitglieder, Freunde und Förderer, seit der Rückkehr der 15. Azawakh-Expedition sind fast zwei Monate ins Land gegangen – höchste Zeit also für einen ersten Bericht. Es gab eine ideale >Besatzung< mit altgedienten Afrikafahrern und neuen Teammitgliedern, die ebenfalls persönliche Beziehungen zu Azawakhs und Windhunden mitgebracht haben. Carola Knothe, Susanne Leimgruber, Rudolf Caster, Gerhard Hanss, Prof. Dr. Hans-Wolfgang Menges, Peter H. Sander, Dr. Lutz Vollweiler, Rene Woerner und ich trafen uns am 1. Februar im Frankfurter Flughafen am Schalter der Royal Air Maroc. Sie bedient zu günstigen Tarifen (und bei tadellosem Service) einmal in der Woche von Casablanca aus – dort mit genügend Zeit zum Besuch der Großen Moschee oder der alten Kasbah - die Destination Niamey. Wir hatten ein großzügiges Limit für Hilfsgüter bekommen und bei neun Passagieren stapelten sich die Sachspenden für ABIS (einschließ-lich der Impfstoffe in ihren Kühlkapseln) in eindrucksvoller Menge. Wir hatten uns diesmal vorgenommen, einen der letzten >weißen Flecken< auf der Landkarte unserer Azawakh-Feldforschung zu erkunden: das nordöstliche Niger mit dem Air-Massiv und dem Westrand der Tenere. Das war von unserem bisherigen Startpunkt Ouagadougou aus nicht zu bewerkstelligen. Da ABIS also nicht über eigene Infrastrukturen für Touren in dieser von der Sicherheitslage her manchmal problematischen Region verfügte, haben wir durch Vermittlung von Werner Gartung (Autor des Tenere-Buchs >Die Salzkarawane<, Oase-Reisen Bremen) die Dienste einer einheimischen Tuareg-Agentur in Anspruch genommen. Beides erwies sich als gute Wahl. Mahaman Yaou, seine Fahrer und der ab Agadez die Kolonne der drei Toyota-Landcruiser anführende Guide haben sich erfolgreich und mit wachsendem Engagegement bemüht, die vom gewohnten Niger-Tourismus ziemlich abweichenden Vorstellungen von uns >Azawakhleuten< zu verwirklichen. Auf der von ABIS geplanten, circa 3.000 km langen Route (bis auf die An- und Rückfahrt bis Tahoua bzw. ab Agadez Sand- und Geröllpisten und Dünenlandschaft) haben wir zahlreiche Nomadenlager besucht und in abgelegenen Wadis nach Windhunden Ausschau gehalten. Und dies mit Erfolg: 72 Idis wurden von Carola Knothe nach dem ABIS-Schema protokolliert. Daß man von einem >Air-Typ< des Azawakhs – also einem in diesem geographischen Isolat häufig vorkommenden Erscheinungsbild - sprechen kann (Ursula Arnold), scheint sich zu bestätigen. Die Route führte, von Niamey aus, hinter Abalak auf die alte Sandpiste nach Ingal, über die Salinen von Teguidda-n-Tessoumt ins Air zur Oase Iferouane, dann in die grandiose Dünenlandschaft derTenere - natürlich auch zu den berühmten Sehenswürdigkeiten der >Blauen Berge< von Izouzaouzene und des Arakaou (>Krabbenschere<) einschließlich zahlreicher Fundstellen prähisto-rischer Felsgravuren - und weiter durch das südöstliche Air nach Agadez, dazwischen in abgelegene Täler (Koris), zum Beispiel das Wadi Tafidet, wo die Expedition einen auf diesen Namen >getauften< Azawakhwelpen adopiert hat. Eine Satellitenkarte des Reiseverlaufs wollen wir im nächten Jahresbericht abdrucken. Peter Sander arbeitet an einer Reisebeschreibung, die in der Zeitschrift >Unsere Windhunde< erscheinen soll. Es sind viele großartige Fotos und Aufnahmen für ein Expeditionsvideo entstanden; sie werden demnächst auf CDs und teilweise auf der ABIS-Homepage abrufbar sein. Elisabeth Naumann hat unsere Azawakh-Feldforschung in diesem Teil von Niger statistisch ausgewertet: Ethnischer Zugehörigkeit der Besitzer
Aufteilung nach Geschlechtern
Fellfarbe
Fellzeichnung
Gesamterscheinung
Haarkleid, Ohrstellung und Rute
Im Jahresbericht 2004/2005 wollen wir die Tabellen mit den bisherigen Ergebnissen aus anderen Regionen (Mali, Burkina Faso) in Beziehung setzen und Überlegungen zu Besonderheiten der Idi-Population im Air anstellen. Vorweg: Der dortige Schlag der Rasse ist insgesamt durch einen kräftigen, eher gedrungenen Körperbau mit guter Front und stabilen Vorderläufen gekennzeichnet, Schädelmaße, Halspartie, Rute und Ohrstellung entsprechen aber häufig nicht den Standardvorstellungen und der in den übrigen Verbreitungs-gebieten (Assouagh-Region, Mali und Burkina Faso) vorherrschenden Qualität. * * * * In Niamey haben Carola, Lutz und ich die anderen Expeditionsteilnehmer für den Rückflug nach Deutschland verabschiedet. Wir sind am nächsten Tag in Mahamans Toyota mit den ABIS-Hilfsgütern auf dem Dach nach Burkina Faso weitergefahren. Die in Niamey zwischenzeitlich sicher gelagerten Impfstoffe wurden in einer gemieteten Autokühlbox transportiert. Unsere einwöchige Projektfahrt nach Tin Akoff war zunächst durch das völlige Fehlen von Nachrichten für die vergangenen 12 Monate etwas überschattet. Wir wissen ja, daß die dortige Tätigkeit von ABIS ohne unseren >Delegue< Ayad ag Inacha nan in der bisherigen Form nicht weitergehen könnte: Irgendwann wird sein Lebenswerk zur Beute des Familienclans werden und dort ist noch niemand aufgetaucht, der in Ayads Schuhe schlüpfen könnte und der dessen Engagement für die Windhunde übernehmen würde. Aber wir haben Ayad gesund und munter angetroffen. Er hat seit dem Sommer 2004 mehrmals und offenbar vergeblich versucht, seinen Tätigkeitsbericht per Fax nach München und Berlin zu übermitteln. Wir haben nun mit Stephanie, einer jungen deutschen Entwicklungshelferin in Gorom-Gorom, Freundschaft geschlossen, sie wird über ihren e-mail-Anschluß den Kontakt mit Tin Akoff erleichtern. Vorweg gesagt: Um die ABIS-Projekte steht es recht gut, aber die Situation insgesamt ist bedrückend – es hat eine weitere Mißernte und die bekannte Heuschreckenplage gegeben, die Binnengewässer sind mit Ausnahme des Beli vertrocknet, die Wüste dehnt sich weiter aus und Tin Akoff ist jetzt nur über Sanddünen erreichbar, die Grasnarbe stirbt ab, die Nomaden und ihre verblie-benen Herden suchen ihr Überleben in Mali oder im Süden – kurz, unsere lokalen Hilfsversuche sind geforderter denn je! Wir haben die Jahressumme von 2.300 Euro für Hirsemagazin, Hunde, Campement, Beligarten, Delegue-Aufgaben etc. übergeben, die Impfstoffe in der immer noch verläßlich funktionierenden Gaskühlbox gelagert und Ayads Meute gegen Tollwut und Seuchen selbst geimpft, eine Spende aus Berlin von 300 Euro für die Schule ausgehändigt, über hundert Schulkinder in ihren Klassenzimmern mit ABIS-Taschen, Heften, Schreibzeug, Süßigkeiten und Spielsachen individuell beschenkt (ein richtig schöner >Event< mit Ayads Ansprachen über ABIS und die Idis). Die mitgebrachten Kleidungsstücke, Decken, Schuhe, Medikamente wurden zur Verteilung durch Ayads neu gegründetes >SOS Enfants< im Magazin hinterlegt und die Schulmaterialien für die Tamaschek-Alphabetisation aufgestockt, die im ganzen Departement gute Fortschritte macht . Dies alles sowie Sinn und Zweck der ABIS-Hilfsaktionen habe ich in einem Protokoll festgehalten, das auch der Präfekt, der Vertreter des Hochkommissars und der Schuldirektor zugunsten einer gewissen Transparenz erhalten haben – mit dem Hinweis darauf, daß das alles von jährlichen Verwendungsberichten abhängt und in der Erwartung geschieht, daß sich die Leute als Gegenleistung für den Schutz der Idis aufgeschlossen erweisen. An Ayad haben wir die diversen persönlichen Gaben , u.a. von unserem Amerika-Vertreter David Moore, übergeben und er läßt allen seinen herzlichsten Dank übermitteln. Es gab die mit Gastgeschenken ausgeschmückten offiziellen Besuche beim (neuen) Präfekten, dem Kommissar und dem (ebenfalls neuen) Chef des Veterinärpostens, der einen guten Eindruck macht und für eine künftige Zusammenarbeit geeignet erscheint. Ayad hat aus Magazinerlösen eine Honda - Viertakt - Motorpumpe für den Beligarten erworben, ein Modell, das im dortigen Einsatz bewährt ist. Wir haben den Anschluß an die Schlauchleitung unserer alten Anlage eingerichtet, es muß nur noch der passende Ansaugschlauch besorgt werden, den wir in Dori nicht auftreiben konnten. Das in der Gegend produzierte und von ABIS aufgrund eines Fernsehberichts der ARD vorgeschlagene Fußpumpensystem ist (wie von unserem Berater, einem holländischen Bewässerungsfachmann in Burkina Faso, vorausgesagt) schon im Vorfeld nicht „angenommen“ worden. Es ist ja etwas Neues und verlangt körperliche Anstrengung ohne sofort spürbare Vorteile. Ein weiteres Beispiel für europäische Entwicklungsideen, die an solchen traditionellen Mentalitäten scheitern: Im Campement lagern inzwischen vier oder fünf Solarkocher, die eine wohlmeinende französische Dame zur Schonung der Brennholzressourcen unter’s Volk bringen wollte und mangels dortigen Interesses dann zurückgelassen hat... Einige Familien in Tin Akoff hatten offenbar auf die Anfang 2004 von Oliver Becker entworfenen Patenschaften für den weiterführenden Schulbesuch von talentierten Absolventinnen und Absolventen der Grundschule schon konkrete Hoffnungen gesetzt. Leider ist dieses Projekt über die Ankündigungen im letzten Jahresbericht und auf der Homepage hinaus organisatorisch und materiell nicht weitergekommen. Immerhin hat aber Carola während unseres Aufenthalts für sich und ihre Tochter zwei Patenschaften zum Besuch des >Lycee< in Gorom einrichten können. Es wäre schön, wenn weitere ABIS-Freunde es ihr gleichtun würden. Die Einfriedung um Ayads Anwesen ist fertiggestellt und hat positive Effekte in bezug auf die Azawakhmeute. Die Hunde akzeptieren die Lehmmauer trotz mehrerer offener Zugänge nun als ihr eigentliches Revier (mit entsprechendem Wachverhalten), bleiben von der vorbeiführenden Piste fern (dort gibt es vor und nach dem Mittwochsmarkt Lkw-Verkehr) und unternehmen anscheinend nur noch zu nachtschlafener Zeit selbständige Streifzüge durch das Dorf. Dies schützt die Tiere und verringert Konflikte mit der Nachbarschaft. Die zwölfjährige Taikoussou war gesund und munter, die Gesamtgruppe in gutem Zustand. Ayad platziert weiterhin Azawakhwelpen bei Interessenten in der Region. Außer zwei Jungrüden gab es diesmal keinen auf dem Hof verbliebenen Nachwuchs. Was mit Blick auf die Größe der Meute, die Harmonie in der Gruppe und ihre Versorgung zu begrüßen ist. Wir haben einen größeren Vorrat an Nahrungsergänzungstabletten für die Hunde dagelassen. Im (neueren) zweiten Hofgeviert des Campements hat Ayad ein kleines Haus in Bankobauweise errichtet. Dort wohnt jetzt der Umweltschutzbeauftragte des Departements mit Katzen und Federvieh. Obwohl zu vermuten ist, daß seine >Amtsgewalt< bis auf weiteres eher nominell sein dürfte, paßt diese Nachbar- schaft doch recht gut in das örtliche ABIS-Ensemble... Das Campement hat einige wenige Male Besuch von Touristen gehabt. Ayad führte eine holländische Gruppe von Tin Akoff nach Timbuktu. Es wird aber nach wie vor schwer sein, trotz der von Tin Akoff ausgehenden (aber natürlich treibstoff- und zeitraubenden) Buschpisten in Richtung Gao, Menaka, Hombori, Dogonland und Timbuktu europäische Agenturen und ihre durchschnittlichen Pauschalbucher für das Erlebnis von >Sahel pur< zu gewinnen. Gefragt wären Menschen mit ganz gezielten Interessen an Natur, Völkerkunde, Entwicklungsfragen und so weiter. Zusammen mit Marlies Glagow haben wir 2004 zum Beispiel über einen >Workshop< zur Heilkunde der Sahelnomaden nachgedacht (vgl. Programm-skizze im letzten Jahresbericht). Unser in Tin Akoff gewonnener Eindruck bestätigte, daß solche speziellen Projekte nur Aussichten hätten, wenn man sie zunächst im engeren Kreis organisieren und vor Ort ausprobieren würde, um sie dann Reiseveranstaltern mit einer gewissen Programmgarantie anbieten zu können. Auf der Rückfahrt über Dori, Tera und Farie nach Niamey haben wir wie alljährlich die Tuaregfamilie Manafi in Zigaiberi aufgesucht. Wir sind dem >Marabut< Manafi und seinen damaligen Hunden bei der ersten Azawakhexpe-dition 1992 als einem der angesehenen Tuaregchefs der Region begegnet. Viele werden ihn als würdevolle Hauptperson in dem von ABIS betreuten PRO 7 – Film >Windhunde im Wüstensand< in Erinnerung haben. Die Familie wurde zum Opfer der sozialen Veränderungen: Ein Teil der ehemaligen Bella-Abhängigen ist schon vor Jahren nach Saudiarabien abgewandert, die anderen haben sich mit eigenem Ziegen- und Rinderbestand selbständig gemacht. Manafi konnte seine Herde allein nicht unterhalten, seine Reitkamele starben, die letzten Ziegen und Schafe mußten verkauft, Lederzelt, Schmuck und traditioneller Hausrat Stück für Stück für den Kauf der nötigsten Hirserationen zu Geld gemacht werden. Die vielköpfige Familie lebt nun in größter Ärmlichkeit und hat mit dem Verlust des Viehs auch ihr gesellschaftliches Ansehen eingebüßt. Die erwachsenen Söhne mit ihrer zunehmenden Kinderzahl scheinen trotzdem darauf zu warten, daß ihnen irgendwann und irgendwie ein möglichst arbeitsfreies Einkommen in den Schoß fallen möge, das ihnen als Angehörigen der traditionellen Herrenkaste angemessen ist... Der Tochter Mariam ermögliche ich seit einigen Jahren den Schulbesuch in Gorom-Gorom, in der Hoffnung, daß sie (wie viele andere Tuareg) einen produktiven Anschluß an die wechselnden Zeiten finden wird. Wir haben der Familie auch diesmal nützliche Geschenke, Arzneien, Nahrungsmittel und einen Notgroschen hinterlassen. * * * * Wir haben von unserer Projektfahrt nach Tin Akoff Ayads verschollenen Tätigkeitsbericht von Ende Juli 2004 mitgebracht. Danach wurden im vergangenen Jahr 280 Hunde und 20 Katzen gegen Tollwut geimpft, wobei je 50 Einheiten in den Departements Markoye und Gorom-Gorom, 25 Einheiten im Departement Deou und 50 Einheiten im Bereich der Provinz Oudalan (Dori) Verwendung fanden. Für das >Impfmoto< sind 136 Liter Benzin und 17 Liter Öl zum Gesamtpreis von 105.400 CFA verbraucht worden. Von 18 Prüfungskandidaten der Grundschule haben 11 die Zulassung zur Sekundarschule erhalten. Sie hätten sich bis Mitte September am >College< von Markoye oder am >Lycee< von Gorom-Gorom einschreiben müssen. (Diese Mitteilung bezieht sich auf den weiter oben schon erwähnten Stipendienplan.) Im Departement sind 25 Stützpunkte der Tamaschek-Alphabetisation mit durchschnittlich je 30 Teilneh-mern aktiv. Man bedankt sich für die von ABIS hergestellten Lehrbücher und die gespendeten Schreibmaterialien, die für die Arbeit außerordentlich wichtig sind. Inzwischen haben wir – von Stephanie per Mail übermittelt – bereits aktuelle Nachrichten aus Tin Akoff. Die diesjährige Tollwutschutzimpfung ist im Gang und hat bereits etwa 200 Hunde erfaßt. Des weiteren besteht vielleicht die Möglichkeit, im Rahmen des >Programme de developpement local de l’Oudalan< ein ummauertes Areal für 78 neu zu pflanzende Obstbäume zu errichten (Mango, Guave, Datteln, Zitrone, Papaya), wenn gut 200.000 CFA Eigenbeteiligung an den etwa 1,8 Mio. Gesamtkosten aufgebracht werden könnten. Ayad ag Inachanan schließt mit der Mitteilung: > In diesem Jahr ist der Hunger groß und diese Hungersnot betrifft Mensch und Tier gleichermaßen. Wir bitten um Eure Hilfe.< Vielleicht bietet sich ja die Möglichkeit, wie schon in einem früheren Krisenjahr einen Sondertransport mit Hirse zur Verteilung an die Bedürftigsten in die Wege zu leiten. Das könnten wir natürlich nur mit Ihrer Unterstützung tun. Für Spenden und eventuell noch ausstehende Mitgliedsbeiträge 2005 bin ich Ihnen also ganz besonders dankbar! SPENDEN- UND BEITRAGSKONTO: 23 09646 00 Dr. Röder / ABIS Bankhaus Reuschel & Co. München, BLZ 700 303 00 IBAN DE8370030300230964600 Die 15. Azawakh-Expedition hat ein weiteres Hilfsersuchen nach Hause gebracht. Es wäre schön, wenn einer von Ihnen die Verbindung zu einem möglichen Wohltäter herstellen könnte oder praktischen Rat wüßte: Die Oase El Meki liegt im Süden des Air – Massivs, etwa 150 Kilometer von Agadez entfernt. Lebensgrundlage der Tuareg von El Meki sind die Erträge der seit alters her kunstvoll bewässerten Oasengärten: Früchte und vielerlei Gemüse, u.a. Tomaten, Zwiebeln, Bohnen, auch Mais, Iams und Kartoffeln. Trotz üppiger Ernten sind die Menschen in El Meki von zunehmender Verarmung bedroht, denn es fehlt das Bargeld für den Einkauf anderer lebensnotwendiger Dinge, für Schule, für medizinische Versorgung und für die Erhaltung ihrer Gartenanlagen und Häuser. Das Problem von El Meki ist einfach: Seine Produkte können nicht vermarktet werden, weil die Transportwege nach Agadez und anderen größeren Ansiedlungen mit Kamelen oder Eseln zeitlich nicht zu bewältigen sind. Ebenso einfach wäre eine Problem- lösung, die sich schon für andere entlegene Oasen bewährt hat: Die Gründung einer Verkaufsgenossenschaft, die mit eigenem Fahrzeug die Wochenmärkte und Restaurants in Agadez regelmäßig beliefern könnte.
Unser Freund Mahaman Yaou (Niamey) möchte den Leuten von El Meki bei diesem Projekt mit Rat und Tat zur Seite stehen. Er ist deshalb auf der Suche nach einem gebrauchten Lkw bis 10 Tonnen - das könnte ein buchmäßig abgeschriebenes Firmenauto sein, bei dem sich der TÜV nicht mehr lohnt, oder ein zur Aussonderung vorgemerktes Fahrzeug eines kommunalen Fuhrparks, aus Beständen der Feuerwehr, des THW oder ähnlicher Einrichtungen. Wichtig wäre natürlich ein möglichst kommoder Preis bzw. – im Idealfall - die kostenlose Abgabe für humanitäre Zwecke. Ich bin sicher, daß örtliche Medien darüber in Wort und Bild berichten würden: das ist dann auch eine schöne Sympathiewerbung für den Spender!
Für den Vorbesitzer entstehen keinerlei weitere Umstände oder Kosten. Mahaman Yaou (er hat ein kleines Expeditionsunternehmen) ist in diesem Sommer zum Abschluß von Agenturverträgen in Europa und würde für die Überführung auf dem Landweg über Algerien nach Niger sorgen. Wir hätten dabei die Gelegenheit, Hilfsgüter für ABIS als kostenfreie Beiladung mitzugeben.
* * * * NOTA BENE Der CLUB AZAWAKH SWISS hat 2004 durch seine Generalversammlung beschlossen, dem ABIS-Förderkreis korporativ als Mitglied beizutreten und ihn mit einem Jahresbeitrag von 200 SFr. zu unterstützen. Wir freuen uns über diesen schönen Vertrauensbeweis! Homepage: www.club-azawakh-swiss.ch ABIS-Mitglied ALBERTO ROSSI ist jetzt mit einer professionell gestalteten Azawakh-Website im Netz: www.azawakh-galgo.com (Italienisch und Englisch). Sehr lesenswert ist dort u.a. Albertos grundsätzlicher Beitrag >Thoughts on standard and the difficulty of judging<. Die AZAWAKHS OF SILVERDALE (Röder-Thiede / Naumann) melden die Geburt des M-Wurfs am 11.April – ein Rüde und sechs Hündinnen, rot und gestromt. Die gescheckte Mutter Safi kommt aus einer Tuaregfamilie in Markoye, Vater ist Ch. Jamil of Silverdale. www.silverdale.azawakh-abis.de. ABIS bietet allen Mitgliedern an, unter www.azawakhs.de Links zu ihren Websites einrichten zu lassen. Die Homepage steht selbstverständlich auch für eigene Beiträge, Nachrichten, Wurfmeldungen, Berichte über Import-Azawakhs etc. zur Verfügung. Schauen Sie bitte auch hin und wieder in unser Forum und in das Gästebuch; es wäre schön, wenn sich jeder an den dortigen Diskussionen mit Meinung, Rat oder Auskunft von Fall zu Fall beteiligen würde. In der Mai-Ausgabe von Unsere Windhunde erscheint ein Beitrag von ABIS-Mitglied Elisabeth Naumann über das Jagdverhalten der Azawakhs im Sahel mit Fotos aus Afrika: >Die Seele des Azawakhs will laufen...<. Sie stellt dabei auch die interessante Frage zur Diskussion, inwieweit sich diese eingeborenen Verhaltensmuster auf unseren Renn- und Coursingbahnen wiederfinden. Im DWZRV kommt die Frage der Farbverteilung bei Azawakhs zunehmend ins Gespräch. Wie zu hören ist, sind die Zuchtrichter verbindlich angewiesen worden, Hunden mit mehr als den im FCI-Standard vorgesehenen weißen Abzeichen eine V-Bewertung zu verweigern. Diese Einschränkungen erscheinen auch vor dem Hintergrund der ABIS-Feldforschungen im Ursprungsgebiet kynologisch nicht haltbar. * * * * Zum Schluß ein herzlicher Dank für Ihr Interesse und für die wichtige Unterstützung, die Sie hoffentlich auch weiterhin der ABIS – Arbeit zukommen lassen. Im Laufe des Sommers wird der Jahresbericht für 2004/2005 erscheinen. Alle Mitglieder, Freunde und Förderer sind wie immer eingeladen, dazu auch mit eigenen Wortmeldungen und Nachrichten beizutragen. Ihnen und Ihren vierbeinigen Familienmitgliedern wünschen wir eine schöne und erfolgreiche Zeit. Mit den besten Grüßen Ihr (gez.) Dr. Werner Röder im Namen der Association Burkinabe Idi du Sahel und ihrer Freunde in Afrika
Vorschau Die 16. Azawakh-Expedition 2006 steht natürlich noch in den Sternen, wenn- gleich einige >Unentwegte< und etliche Azawakhfreunde aus Europa und Über-see sich schon jetzt für eine Interessentenliste angemeldet haben. Die derzeitigen Überlegungen sehen so aus: Wir haben uns in diesem Jahr auf die Air-Region konzentriert und dort die autochthonen >Idis< der Kel Ewey kennenlernen können. Die sich nach Norden bis ins Azawakhtal erstreckenden Wanderungsgebiete anderer Tuaregstämme und der Peul-Bororo zwischen dem Nigerfluß und dem Westrand des Air haben wir dabei relativ rasch durchquert. Die Begegnungen mit den dortigen Volksgruppen und ihren Windhunden machen aber Lust darauf, dieses Gebiet noch näher in den Blick zu nehmen und von dort aus in das Wadi Azawakh auf nigrischer und malischer Seite zu fahren, um unsere früheren Beobachtungen bei den Kel Dahoussahaq und den Oullimiden-Tuareg zu vertiefen. Folgende Dreiländerroute käme vielleicht in Frage: Von Niamey über Beleyara und Filingue nach Abala (Ballol Bosso) und Sanam, Taberet und Tahoua, weiter über Tillia und Agarak durch das Vallee d’ Assouagh und über Menaka und Ansongo nach Tin Akoff, über Tera zurück nach Niamey. Wir würden mit drei Fahrzeugen unterwegs sein, wobei eine mehr als sonst nötige Transportkapazität für Treibstoff- und Trinkwasservorräte für den Abschnitt Tahoua - Menaka freigehalten werden müßte. Deshalb wären acht Expeditionsteilnehmer voraussichtlich die Höchstzahl, aber auch das Minimum, um die Kosten in vernünftigen Grenzen zu halten. Drei Wochen sollte man dafür insgesamt ansetzen, Mitte Januar 2006 wäre ein günstiger Starttermin. Insh’allah - Ich habe aufgrund der positiven Erfahrungen Mahaman Yaou gebeten, uns in den kommenden Monaten die Konditionen für eine solche Reise anzubieten. Damit wir das Unternehmen dann ggfs. weiter verfolgen können, müßte sich möglichst bald ein Kreis von konkret Interessierten zusammentun. Vielerorts besteht großes – und sehr berechtigtes - Interesse an weiteren Importen von Azawakhs aus der Ursprungsregion. Dabei sind die rigiden neuen Einfuhrauflagen der EU-Staaten sehr genau in Betracht zu ziehen. Bei Importwün- schen ist deshalb die genaue Prüfung bestehender Möglichkeiten sowie eine längerfristige Vorbereitung unerläßlich.
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